Midlife-Krise

Ehekrise in der Lebensmitte

Viele bis zur Lebensmitte einigermaßen zufriedenstellende Ehen geraten nach 20 bis 25 Jahren in eine ernste Krise. Routine und Langeweile haben sich unmerklich, aber in stetig steigendem Maße breitgemacht. Die Unzufriedenheit mit der Ehesituation steigt. Meist wird die Schuld für diesen Zustand dem Partner/der Partnerin angelastet. Die Attraktivität des anderen ist geschwunden, was das Sexualleben zu einem eher seltenen Routineakt verkümmern, wenn nicht ganz einschlafen lässt. Gemeinsame Interessen und Aktivitäten, die sich bis dahin hauptsächlich auf die Erziehung der Kinder und die Schaffung eines gewissen Lebensstandards bezogen haben, sind nun nicht mehr vorhanden. Die Kommunikation beschränkt sich auf ein Minimum und besteht häufig nur darin, den anderen zu kritisieren und zu beschuldigen. Streit, Rückzug und Entfremdung sind die Folgen.
Wesentliche Grundbedürfnisse werden in der Ehe nicht mehr befriedigt: das Bedürfnis nach Abwechslung und Neuem, nach Herausforderungen und nicht zuletzt nach leidenschaftlicher Sexualität verbunden mit dem Gefühl, als Mann oder Frau noch attraktiv zu sein. Egal ob dieser Mangel dem Einzelnen schmerzlich bewusst wird oder ob er sich nur in einem Gefühl allgemeiner Unzufriedenheit bemerkbar macht, beeinträchtigt er das Beziehungsgeschehen.

 

Mitlife-Krise - notwendiger Entwicklungsabschnitt

Irgendwann zwischen 40 und 50 schleicht sie sich in das Fühlen und Denken ein – die Midlife-Krise. Den einen trifft sie früher, den anderen etwas später, dem einen wird sie schmerzlich bewusst, der andere versucht sie zu verdrängen, aber betroffen sind alle, Männer und Frauen gleichermaßen. Man fühlt sich noch durchaus körperlich fit, jugendlich und attraktiv, kann mit den Jüngeren noch problemlos mithalten. Aber die Frage „wie lange noch?“ wird immer dringlicher und bedeutsamer, bewusst oder unbewusst.
Familiär und beruflich läuft meist alles in geregelten Bahnen. Die Kinder sind aus dem Gröbsten heraus, im Job ist der Höhepunkt der Karriere erreicht, das Haus ist zum größten Teil abbezahlt. Eigentlich geht es einem gut. Man hat erreicht, was man erreichen wollte. Aber war das alles?
Höchste Zeit, eine Lebensbilanz zu ziehen.
Der Blick geht einerseits in die Vergangenheit: Was Habe ich versäumt? Was ist aus meinen Träumen geworden? Was habe ich mir immer gewünscht, aber stets zurückgestellt, weil anderes dringlicher war? Ich habe mich aufgearbeitet für den Job, für die Familie, und darüber mich selbst und das Leben vernachlässigt. Wo bleiben der Dank und die Anerkennung dafür?
Der Blick, der in die Zukunft gerichtet ist, verspricht nicht viel Erfreuliches: Routine, Gleichförmigkeit und Langeweile, und letztendlich den endgültigen Abschied von der Jugendlichkeit und den unaufhaltsamen Prozess des Älterwerdens.
Es wird also höchste Zeit, nochmal durchzustarten und Versäumtes nachzuholen, bevor es endgültig zu spät dafür ist.
Der eine kauft sich einen schnittigen Sportwagen, der andere eine chromblitzende Harley, der dritte trainiert hart, um an einem Marathonlauf teilzunehmen. Andere nehmen Gitarren- oder Ballettunterricht, um sich langgehegte Träume zu erfüllen.

Solange sich das Nachholen von Versäumtem nur auf Hobbys oder die Erfüllung materieller Wünsche bezieht, entstehen meist keine größeren Probleme mit dem Partner/der Partnerin. Problematisch wird es dann, wenn das eher eintönige eheliche Sexualleben und die Angst vor dem unaufhaltsam näherrückenden Schwinden der körperlichen Attraktivität das Bedürfnis weckt, auch sexuell nochmal durchzustarten. Schließlich ist man dem Partner/der Partnerin die ganzen Jahre treu geblieben, wenn es auch nicht immer einfach war. Vielleicht hat man sehr jung geheiratet und sich vor der Ehe nicht richtig austoben können. Vielleicht will man einfach ausprobieren, ob man es noch kann, und sich beweisen, dass man noch für andere attraktiv ist. Vielleicht will man einfach den Kick des Verliebtseins noch einmal erleben.
Zunächst hat das alles nichts mit dem Partner/der Partnerin zu tun. Ihn/sie will man ja nicht aufgeben. Das gemeinsame Leben hat ja bisher ganz gut geklappt. Es ist lediglich ein persönlicher Versuch, aus dem Alltagstrott auszubrechen.

 

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