Aus dem Paar werden Eltern

Für die meisten Paare gehört zum gemeinsamen Glück über kurz oder lang auch ein Kind. Auch wenn sich beide Partner auf den Nachwuchs freuen und intensiv darauf vorbereiten, ändert sich ihr Leben nach der Geburt radikal. Von einem Tag auf den anderen nimmt ein drittes Mitglied seinen Platz in der bisherigen Zweierbeziehung ein. Und dieses neue Mitglied fordert absolute Aufmerksamkeit und Fürsorge. Der Tagesrhythmus und die Aufgabenverteilung verändern sich grundlegend und müssen auf die Bedürfnisse des Babys eingestellt werden. In der Regel unterbricht einer der Partner (meist die Mutter) vorübergend die berufliche Tätigkeit oder gibt sie ganz auf. Unternehmungen, die früher zu zweit problemlos möglich waren, erfordern jetzt aufwändige Organisation oder müssen ganz unterbleiben.
Aus dem Paar sind Eltern geworden. D.h. die Frau ist nicht mehr nur Frau, sondern auch Mutter, der Mann ist nicht mehr nur Mann, sondern auch Vater. Besonders für die junge Mutter ist es schwierig, diese beiden Rollen miteinander in Einklang zu bringen. Allein schon die hormonelle Umstellung durch Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit vermindert bei der Frau die Lust am Sex, was für viele Männer ein Problem darstellt. Das Baby beansprucht (zumindest in der Anfangszeit) die ganze Aufmerksamkeit der Mutter, der Partner wird (oder fühlt sich) auf den zweiten Platz verwiesen. Siehe mehr dazu.
Vorübergehend mag das notwendig und angebracht sein. Wenn aber die junge Mutter sich ganz oder vorwiegend auf ihr Mutter-Sein zurückzieht, leidet über kurz oder lang die Paarbeziehung. Andererseits kann es auch sein, dass auch der junge Vater in seiner Frau immer mehr nur noch die Mutter seines Kindes sieht und immer weniger die attraktive Frau, zu der er sich einmal hingezogen gefühlt hat. Zunächst wird diese Problematik nicht bemerkt oder verdrängt, denn das Kind und die Sorge um die junge Familie stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Häufig wird versucht, durch ein zweites Kind (manchmal sogar ein drittes) das Familienglück perfekt zu machen in der Hoffnung, dadurch auch die Paarbeziehung zu festigen. Aber die Rechnung geht nicht auf. Stress und Belastungen werden immer größer und die Unzufriedenheit wächst. Zunächst versucht man noch der Kinder wegen, das Beste aus der Situation zu machen, aber das Paar steckt bereits in einer ernsten Krise.

 

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