Was Paare zusammenhält

Allzu oft beschäftigen wir uns – ob in der eigenen Beziehung, in der Eheberatung oder in der Forschung– mit den Faktoren und Gegebenheiten, die die Beziehung beeinträchtigen und Probleme hervorrufen. Deshalb lohnt es sich, einmal die Bedingungen zu betrachten, die Paarbeziehungen stabil und dauerhaft machen und über Krisen hinwegbringen. Die folgende Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, beinhaltet aber die wichtigsten Voraussetzungen für dauerhafte Paarbeziehungen.



 

 

Verliebtheit am Anfang
Man sagt zwar: Liebe (besser: Verliebtheit) macht blind. Sie lässt die Realität verkennen und idealisiert den Partner/die Partnerin. Trotzdem ist sie das emotionale Fundament für den Aufbau einer Paarbeziehung. In der Verliebtheit entsteht eine Vorstellung davon, was Beziehung sein kann. Partner, die sich dieses Gefühl des Anfangs immer wieder in Erinnerung rufen können, überstehen auch krisenhafte Situationen leichter.

 

 

Gemeinsamkeiten
Gegensätze ziehen sich an und bringen Spannung in die Beziehung. Aber das tragende Element in einer Partnerschaft sind Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten hinsichtlich z.B. Weltanschauung, Lebensstil und –gewohnheiten, sozialer Herkunft und Bildungsstand.

Gemeinsame Ziele
Ein Heim zu gründen, die Kinder gut zu erziehen, ein angenehmes Familienleben zu schaffen und finanziell gut abzusichern, gehört für die meisten Paare zunächst zu den vorrangigen gemeinsamen Zielen, die die Beziehung stabilisieren. Soll die Beziehung aber auch noch funktionieren und anregend sein, wenn die Kinder selbständig sind, die berufliche Tätigkeit endet und die Partner wieder mehr aufeinander bezogen sind, dann sind gemeinsame Anliegen und Ziele außerhalb der Familie wichtig, z. B. gemeinsame Hobbys oder gemeinsames politisches oder soziales Engagement.

 

 

Umgang mit Unterschieden
Zu Beginn einer Partnerschaft sind es meist die Unterschiede, die den Partner interessant machen. Z.B. Eigenschaften, die man selbst nicht hat, werden am Partner geschätzt und bewundert. Der Partner erscheint sozusagen als Ergänzung der eigenen Person. In späteren Verlauf der Partnerschaft werden gerade diese Unterschiede immer wieder zum Anlass für Kritik und Auseinandersetzungen, häufig sogar zum Trennungsgrund. Auf Dauer gelingende Partnerschaften zeichnen sich dadurch aus, dass die Partner ihre Unterschiedlichkeit akzeptieren, wertschätzen und für die gemeinsame Sache (Beziehung, gemeinsame Ziele) nutzen.

 

 

Eigenständigkeit der Partner
Trotz aller Gemeinsamkeit in einer Paarbeziehung ist es wichtig, dass jeder Partner ein gewisses Maß an Eigenständigkeit bewahrt: eigene Interessen, eigene Kontakte, eigene Meinungen und Ziele. Eigenständigkeit ermöglicht, dass die Partner sich bei aller Vertrautheit immer ein bisschen fremd und damit auch interessant füreinander bleiben.
Zur Eigenständigkeit gehört auch, dass jeder Partner die Verantwortung für seine Wünsche, Bedürfnisse, Gefühle und Handlungen übernimmt und nicht den anderen für Ausgleich seiner eigenen Defizite verantwortlich macht.

 

 

 

Ausgleich zwischen Geben und Nehmen
Wer immer nur gibt fühlt sich auf Dauer ausgebeutet. Wer immer nur nimmt fühlt sich unwohl, weil er ein schlechtes Gewissen bekommt. Ein ausgewogenes Wechselspiel zwischen Geben und Nehmen fördert das Gefühl für Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Partner und das wiederum vertieft die Beziehung.

 

 

Kommunikation und Einfühlung
Ehepartner sollten sich darum bemühen, sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen, um ihn besser verstehen zu können. Das ist besonders wichtig in Familienphasen, in denen sich die Alltagswelt von Mann und Frau in sehr unterschiedlichen Situationen abspielt (einerseits Haushalt und Kinder, andererseits Arbeitsplatz). Dazu ist es notwendig, Interesse an der Welt und an der Sichtweise des anderen zu zeigen, nachzufragen und auch wirklich zuzuhören. Wer sich verstanden fühlt, fühlt sich gesehen, ernst genommen und respektiert.

 

 

Kompromissbereitschaft
Früher war das Ehe- und Familienleben viel stärker als heute durch feste Regeln und Normen von außen festgelegt. Heute ist es dem Einzelnen oder dem Paar weitgehend selbst überlassen, wie er bzw. es sein Leben gestalten möchte. Da ein Paar aus zwei eigenständigen, gleichberechtigten Personen besteht, müssen diese die Regeln für das Zusammenleben selbst immer wieder miteinander aushandeln. Dafür ist es notwendig, den eigenen Standpunkt vertreten zu können, ohne die Bedürfnisse und Wünsche des anderen außer Acht zu lassen, und einen für beide akzeptablen Kompromiss zu finden.

 

 

Kooperation
Gerade in Stresszeiten, wenn die Anforderungen das normale Maß überschreiten (z.B. Krankheit, Umzug, Berufswechsel), ist es wichtig, dass das Paar als Team gut zusammenarbeitet. Wenn Partner auch schwierige Situationen gemeinsam erfolgreich bewältigen, entsteht ein Gefühl von „gemeinsam sind wir unschlagbar“, das die Beziehung bereichert und die gegenseitige Attraktivität der Partner enorm steigert.

 

 

 

Sexualität
Sexualität ist eines der wichtigsten Grundbedürfnisse des Menschen. Über die reine Triebbefriedigung hinaus, gibt sie einem das Gefühl, richtig Mann bzw. richtig Frau zu sein, und trägt dadurch wesentlich zum Selbstbewusstsein bei. In Paarbeziehungen, vor allem in langdauernden, vermittelt sie ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Vertrautheit.

 

 

Gemeinsame Entwicklung
Alle genannten Faktoren führen dazu, dass ein Paar sich gemeinsam vorwärts entwickelt. Das geschieht am besten dadurch, dass jeder Partner sich um seine persönliche Weiterentwicklung kümmert und der eine Partner den anderen in seiner persönlichen Entwicklung nicht nur nicht behindert, sondern unterstützt und fördert. Meist ist es jedoch der Fall, dass der eine Partner in seinem Entwicklungsprozess schneller vorwärts schreitet und dadurch für den anderen Partner eine Bedrohung darstellt. Dann kommt es häufig zu einer Ehekrise, aber es kommt auch etwas in Bewegung. Der andere Partner muss sich in irgendeiner Weise auch verändern, damit er wieder Anschluss gewinnt.

 

 

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