Verliebtheit, Liebe, Partnerschaft

Verliebtheit, Liebe und Partnerschaft – alle drei sind notwendig für eine gelingende, tragfähige Paarbeziehung. Sie bilden die zentralen Punkte in der Vision von einer „idealen“ Partnerbeziehung.
Viele Paarbeziehungen leiden darunter oder scheitern sogar daran, dass grundsätzlich Unterschiedliches miteinander vermischt und verwechselt wird.

Zum einen wird häufig Liebe mit Verliebtheit verwechselt.
Zum anderen werden oft Liebe und Partnerschaft gleichgesetzt und mit gleichen Maßstäben gemessen, obwohl sie grundsätzlich anderen Regeln folgen.

 

 

Verliebtheit

Verliebtheit ist ein wilder, aufregender Ausnahmezustand (Schmetterlinge im Bauch), der mit dramatischen körperlichen und psychischen Veränderungen einhergeht und in vieler Hinsicht einem psychiatrischen Krankheitsbild ähnelt. Die Hirnaktivitäten von Verliebten sollen denen von Kokainkonsumenten gleichen. Die vermehrte Ausschüttung von Bindungs- und Glückshormonen führt zu Euphorie, Bewusstseinseinengung, Wahrnehmungsverzerrungen und der Herabsetzung von Hemmschwellen. Die Umwelt wird ausgeblendet, andere Lebensbereiche werden unwichtig, wenn nicht gar vernachlässigt, das Denken kreist ständig um die geliebte Person. Alles, was dieser Mensch sagt oder tut, wird als gut und richtig empfunden, ja sogar bewundert, Fehler und Schwächen werden nicht gesehen. Man würde am liebsten dauernd mit dem geliebten Menschen zusammen sein, will nur mit ihm Sex haben und passt sich mit den eigenen Bedürfnissen und Anschauungen an ihn an. Getrenntsein wird als schmerzhaft erlebt und kann sogar körperliche Beschwerden verursachen.

Verliebtheit ist willentlich nicht steuerbar. Sie "passiert" einfach schicksalhaft, kann nicht eingefordert und auch nicht einfach abgeschaltet werden, aber sie kann mit der Zeit schwächer werden oder sogar ganz verblassen. Das ist sogar der Normalfall. Nach spätestens zwei bis drei Jahren lässt der "Hormonschub" nach und der Realitätssinn gewinnt wieder die Oberhand. Dann stellt sich heraus, ob die Beziehung zum Scheitern verurteilt ist, weil nichts mehr da ist, oder ob die anfängliche Verliebtheit in Liebe übergeht.

Verliebtheit ist notwendig, um eine Paarbeziehung überhaupt entstehen zu lassen, aber sie ist auf Dauer mit dem Alltagsleben nicht zu vereinbaren, denn sie lenkt zu sehr von der Realität ab und verbraucht zu viel Energie. Dennoch stellt sie auch in langdauernden Beziehungen eine wichtige Ressource dar. Die Erinnerung an die emotional innige und aufregende Anfangszeit lässt mache Krise überstehen. Und ab und zu kann (und sollte) sich ein Anflug von Verliebtheit auch in langjährigen Beziehungen immer wieder mal einstellen, wenn man z.B. eine besonders schwierige Situation gemeinsam bewältigt hat oder wenn man Neues, Aufregendes gemeinsam erlebt.

 

 

Liebe

Liebe ist viel schwerer zu fassen als Verliebtheit. Philosophen und Psychologen beißen sich an dem Versuch, Liebe zu definieren, die Zähne aus, und die Naturwissenschaften scheitern gänzlich daran.
Liebe hat nichts Aufregendes. Sie ist ein ruhiges, tiefes, beständiges Gefühl und eine innere Haltung der innigen, positiven Verbundenheit mit einem anderen Menschen.
Wie Verliebtheit kann Liebe nicht erzwungen, eingefordert oder verhandelt werden. Liebe kann nur geschenkt werden. Und als Geschenk ist sie freiwillig und kann sie auch keine Gegenleistung fordern. Es besteht kein einklagbares Recht auf die Liebe des anderen, wohl aber der Wunsch und die Hoffnung, dass die Liebe erwidert wird. Somit gibt es in der Liebe auch keine Gerechtigkeit oder Gleichberechtigung, kein Recht oder Unrecht, keine Schuld oder Unschuld.
Liebe kann wachsen, wenn sie regelmäßig gepflegt und genährt wird. Die Nahrung besteht in Kommunikation, Verständnis füreinander, gemeinsamen Vorstellungen und Zielen, gemeinsam verbrachter Zeit, Wertschätzung, Intimität und Sexualität, Großzügigkeit und Verzeihen, um nur einige wichtige Punkte zu nennen.

 

 

Partnerschaft

Partnerschaft beruht auf Gegenseitigkeit und Gleichberechtigung, Regelungen und Vereinbarungen. Sie hat somit Vertragscharakter. Die Rechte und Pflichten der Partner können dabei konkret verhandelt oder als unausgesprochene Erwartungen vorhanden sein. In jedem Fall kann ihre Befolgung eingefordert werden und bei Regelverstoß folgen Sanktionen und gegebenenfalls Wiedergutmachungsleistungen. Geben und Nehmen beruhen auf Austausch und Gegenseitigkeit und sollten ausgeglichen sein. Bei ungerechter Verteilung kann ein Ausgleich gefordert werden.
In eine Partnerschaft tritt man durch willentlichen Entschluß ein und man kann prinzipiell jederzeit wieder austreten, wenn die Vertragsgrundlagen nicht mehr stimmen oder der Vertragspartner wiederholt gegen die Regeln verstößt.

 

 

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